INTERVIEW MIT MICHAEL BENNEWITZ

Kategorie: Mit allen Sinnen | am 22.11.2017 von Gastbeitrag

Portrait Michael mittelgroß

Michael Bennewitz, 42 Jahre aus Riesa, arbeitet als Masseur und Osteopath in Haubers Naturresort. Michael ist blind. Im Interview erzählt er über seinen Alltag in Haubers Wellnesshotel im Allgäu und wie er mit der täglichen Herausforderung umgeht.

Was hast Du gelernt und was genau machst Du in Haubers Naturresort?


Meine Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister habe ich 1998 abgeschlossen. Es folgten zahlreiche Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen. Ich bin z.B. Spezialist für Lymphdrainage, Fußreflexzonenmassage und Akupressur. Seit 2003 bin ich Physiotherapeut und arbeite zwischenzeitlich auch mit der manuellen Therapie und der Dorn-Preuss Methode. Seit wenigen Wochen bin ich außerdem Osteopath.

Du bist komplett blind. Wie konntest Du diese Aus- und Weiterbildungen ohne Augenlicht so erfolgreich absolvieren?
Ich war auf der medizinischen Fachschule für Blinde und Sehbehinderte Sachsen in Chemnitz. Hier sind nicht nur die Räumlichkeiten auf unsere speziellen Bedürfnisse angepasst. Das Lernmaterial wird natürlich in Blindenschrift zur Verfügung gestellt und die Lehrmethoden sind ebenfalls für uns optimiert. Z.B. werden die Anatomie-Vorlesungen sehr plastisch dargestellt.


Seit wann bist Du blind?

Von Geburt an. Ich wurde zu früh geboren und damals war die Sauerstoff-Dosierung in den Brutkästen noch zu hoch. Das führte zu einer Ablösung der Netzhaut.

Warum hast Du Dich für die Physiotherapie als berufliche Laufbahn entschieden?

Eigentlich wollte ich Musiker werden. Und wie das eben ist, bestanden die Eltern darauf, erst einmal einen anständigen Beruf zu lernen. Das war zunächst nicht mein Traum. Ich habe es aber nicht bereut.

In dem berühmten Zitat von Antoine de Saint-Exupery aus „Der kleine Prinz“ heißt es: „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Ist es für Deinen Beruf von Vorteil, dass Du nicht von unwesentlichen visuellen Eindrücken abgelenkt wirst?

In meiner eigenen Wahrnehmung ist der Vorteil nicht allzu groß. Ich bin zwar nicht visuell abgelenkt, aber vielleicht umso mehr durch die Akustik, die ich viel intensiver wahrnehme und bewusst ausblenden muss. Aber ich habe natürlich keinen Vergleich, wie der sehende Kollege seine Arbeit spürt. Meine Patienten geben mir schon die Rückmeldung, dass Sie meine Therapie intensiver und wirkungsvoller empfinden.


Gibt es bestimmte Behandlungen, bei denen das Nichtsehen von Vorteil sein könnte?


Ich bin vielleicht erfolgreicher bei der Behandlung von Leiden, die man nicht sehen kann, auch nicht auf Röntgen-Bildern usw. Das sind in erster Linie die gängigen Massagetechniken und alles wo man nur mit den Händen arbeitet.
Welche anderen Berufe wären noch interessant für Dich gewesen?
Anwalt vielleicht oder Journalist.


Wie hat es Dich ins Allgäu verschlagen?

Das hat arbeitstechnische Gründe. Ich war geografisch flexibel und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Deshalb habe ich ein Stellengesuch unter phsio.de veröffentlicht und Familie Hauber hat mich dann „gefunden“. Das war 2010. Seitdem bin ich hier in ihrem 4 Sterne Hotel im Allgäu .

Welche Einschränkungen erlebst Du durch das fehlende Augenlicht?

Gefühlt habe ich keine Einschränkungen. Als Kind bin ich auf Bäume geklettert, heute gehe ich im Urlaub mit meiner Partnerin zum Stand Up Paddling. Ich höre, dass da eine Wand ist, so wie z.B. ein Tauber auch Musik hören kann, mit seinem Körper. 

Themen die ich nicht sehe, blende ich aus. Aber es gibt bestimmte Computerprogramme, die zu grafisch sind und dadurch nicht geeignet für Blinde, z.B. das THC für unsere Terminplanung. Ansonsten habe ich einen Sprachassistenten und kann z.B. genauso das Internet nutzen wie jeder andere auch.

Wo hast Du Deine Partnerin kennen gelernt?


Renate und ich haben uns schon vor 13 Jahren bei einer Akupressur-Fortbildung kennen gelernt. Und bei der Osteopathie-Ausbildung trafen wir uns wieder. Vor einem Jahr hat es dann gefunkt und wir wurden ein Paar.

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